Yung Hurn: Ein Interview, das keines sein will

Sekundenlange, schier nicht enden wollende Pausen, dramatische Sätze über das Leben, Fragen die nach ganz eigenen Kategorien und Maßstäben nicht beantwortet werden, weil sie nicht „schön“ genug sind. Rapper Yung Hurn im Interview.

Frauenfeld 2018. Es ist das größte Hip-Hop-Festival Europas. Neben den internationalen Stars wie Eminem und Playboi Carti sind auch die Protagonisten des Deutschraps mit Zelt und Bier im Gepäck angereist: Bausa, Rin, Genetikk – sie alle sind gekommen. Auch der Cloudrapper Yung Hurn stand kurzfristig noch im Line-up.

Nach seinem Auftritt gibt er dem schweizerischen Radiosender „Radio SRF Virus“ ein Interview, das auf YouTube unter dem Titel „Das verstörende Interview mit Yung Hurn am Open Air Frauenfeld“ landet.

So richtig schocken wird dieser Teaser die Fan-Gemeinde des Rappers jedoch kaum. Bereits im vergangenen Jahr veröffentlichte der Sender ein Gespräch mit dem „Opernsänger“-Rapper, das teils geschockt, teils belustigt von der Szene aufgenommen wurde. Mit einem Basketball in der Hand und auf einer schwarzen Couch sitzend beantwortete er Fragen zum großen Teil mit Gegenfragen, Starren, Schweigen und Antworten, die mehr verwirrten, als wirklich beantworteten.

Die Tradition wird auch in diesem Jahr fortgeführt. Julian, so Yung Hurns richtiger Name, ist vor allem eins: gelangweilt. Auf die Fragen des Schweizer Rundfunks hat er keine Lust, lehnt sie kategorisch ab. Wenn er sich doch herablässt, zu antworten, dann mit rhetorischen, wirren Fragen wie „Wenn du wirklich nachdenkst, bist du dann wichtig?“

Yung Hurn dreht die Gesprächssituation einfach um. Und blüht dann erst so richtig auf. Er fragt den Redakteur nach dem Namen seiner Schule, nach seinen Lehrern, was er seinen Enkelkindern gerne mitgeben würde. Als dieser mit „Bescheidenheit und Liebe“ antwortet, endet das Gespräch in einer – von Yung Hurn ausgehenden – minutenlangen, nicht enden wollenden Umarmung und beruhigenden „Pshhht“-Lauten.

Das Interview ist sogleich die Spiegelung seiner Musik, die Konventionen und Regeln völlig außer Acht lässt. Yung Hurn gibt normalerweise keine Interviews, nur beim Frauenfeld Open-Air hat er zweimal in Folge eine Ausnahme gemacht. Wir freuen uns schon auf 2019.