Kendrick Lamar feiert Grammy Nominierungen in Compton

Fast hätte Kendrick Lamar der Legende Michael Jackson das Wasser gereicht. Fast. Es sind nicht 12 Grammy-Nominierungen wie 1984 für „Thriller“ geworden, aber immerhin eine weniger. Mit „To Pimp A Butterfly“ stemmte Kendrick vergangenes Jahr ein meisterhaftes Album in den Erdboden, das genreübergreifend Kritiker überzeugte und eine Wirkung auf die afroamerikanische Popkultur hatte, wie schon lange keine Platte mehr. In Compton, wo er geboren und aufgewachsen ist, feiert er ganz ungleich aller Pop-Diven mit den normalen Menschen – zu sehen in einem neuen Kurzfilm, der eine Hommage ist. An den 100.000-Mann-Stadtteil in Los Angeles, der als gefährlichster sozialer Brennpunkt Nordamerikas gilt. Wo die zwei brutalsten Straßengangs der Welt – Crips und Bloods – ihren Ursprung haben. Trotzdem und gerade deshalb ist Compton seit den 1980ern eine Brutstätte musikalischer Kreativität, die ihresgleichen sucht. Nach Dr. Dre, Ice Cube, Eazy-E und The Game ist es nun Kendrick Lamar, der die Fackel weiterträgt. Am 15. Februar wird er um die Trophäe „Album des Jahres“ unter anderem gegen Taylor Swift antreten müssen – und wahrscheinlich verlieren.

Bart-Art – The Gay Beards

Irgendwie hat sie ja schon einen Bart, die Bart-Kunst. Immer wieder wird man überflutet mit Bildern von Männern, die wohl nichts anderes zu tun haben, als sich lustige Dinge in den Bart zu stecken. Zwei Jungs, die haben daraus sogar einen Instagram Account gemacht. Brian Delaurenti und Jonathan Dahl versuchen seit 2013, dort ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Was die sich alles in den Bart stecken sieht jedoch nicht nur bunt aus. Es ist auch ein Stück Sozialkritik.

Wenn sie zum Beispiel mit ihrem Bart auf die negativen Folgen der Kommerzialisierung von Weihnachten hinweisen.

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Oder zum Klimaschutz aufrufen.

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Wenn sie für LGBT-Rechte einstehen.

 

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Oder für mehr Kreativität in der Gesellschaft werben.

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So ist der Blog also nicht nur kindliche Fixierung. Letzten Endes ist er aber vor allem eins: eine Ode an das beste und tollste Stück des Mannes, das wir tagtäglich zelebrieren sollten. Gerne auch mit viel Glitter.

Schön von hinten

Jedem Jahrzehnt seinen Körperkult. Während die Männer der 90er dank Pamela Anderson und Co. wie verzückt waren von möglichst prallen Brüste, die jeglicher Schwerkraft trotzten, ist es in den Zehnerjahren dank Kim Kardashian zu einem wahren Revival der weiblichen Rückseite gekommen. Frei nach dem Stereo-Total-Gassenhauer „Du bist schön von hinten“ posieren Frauen neuerdings gerne mit dem Rücken zur Kamera. Natürlich nur, wenn sie nicht gerade ein Selfie von sich machen. Und weil das von hinten bekanntlich auch schwierig ist, müssen Profis ans Werk. So wie hier, beim Bikini BTS Shoot der amerikanischen Energy-Drink-Marke Monster. Die haben ihren Job auch durchaus ernst genommen, und die Hintern dieser Damen besonders schön in Szene gesetzt. Mit Fischen. Am Strand. Vor einer Yacht. Danke, Monster. Sonst wäre uns das womöglich noch entgangen. Apropos. Fische? War da was?

Design-Leuchte

Was würden Zaha Hadid, Dieter Rams und Issey Miyake tun, wenn sie die Aufgabe bekommen würden, das berühmte Lichtschwert aus Star Wars neu zu designen? Diese Frage haben sich die Kreativköpfe der Y-Studios gestellt. Sie haben analysiert, Designmerkmale verglichen und etwas geschaffen, das ebensogut aus der Feder dieser berühmten Designer stammen könnte: ein Lichtschwert, das in seiner Neuinterpretation zu einem echten Designklassiker wird.

Ausfahrt: Silverstone

Sie pflastern die Kinderzimmer kleiner und großer Jungs: Hybride Supersportwägen wie der McLaren P1 oder der Ferrari LaFerrari. Während kleine Jungs noch träumen, gibt es immer wieder große Jungs die sich den Traum erfüllen, eines dieser PS-Geschosse zu fahren. Für einen Tag versteht sich – wenn sie Glück haben. Rennfahrer Mat Jackson hatte Glück. Er durfte gleich drei der Supersportwägen seiner Träume über den Asphalt von Silverstone jagen: den McLaren P1, den Ferrari LaFerrari und den 918 Spyder. Einziges Kommentar: Es hat ihm ein Lächeln auf das Gesicht gezaubert. Der wahre Gewinner dieses Track Shootouts ist jedoch ein anderer: Paul Bailey. Der englische Multi-Millionär ist nämlich der Besitzer dieses göttlichen Dreigestirns am Supercar-Himmel. Der Porsche und der Ferrari wurden übrigens am selben Tag gekauft. Man gönnt sich ja sonst nichts.

https://youtu.be/zUPfLHPUelE

Moderner Design-Tod

Es treibt einem schier die Tränen in die Augen. In der bayerischen Landeshauptstadt wird der Denkmalschutz so peinlich genau gepflegt, dass gefühlt nicht mal ein Blumentopf platziert werden darf, wenn er das Gesamtbild stört. Und in Japan? Da wird einfach so ein Designjuwel abgerissen, das wie kein anderes für den japanischen Minimalismus steht: das Hotel Okura in Tokyo.

Die Moderne hat die Moderne überrollt. Und so soll Platz gemacht werden für einen monströsen, gesichtslosen Hotelbau, der wohl in keinster Weise an das herankommen wird, was im Hotel Okura geschaffen wurde. Pünktlich zum 31. August 2015 schloss das Grand Hotel, in dem Präsidenten, Könige, echte und musikalische Prinzessinnen residierten, seine hübsch designten Shoji-Papier-Türen. Zuvor hatten sich Designer aus der ganzen Welt für den Erhalt des Hotel Okura ausgesprochen, das 1962 von Architekt Yoshiro Taniguchi gebaut wurde und auch heute eine Vielzahl an japanischen Kunstwerken in sich vereint hat. Einen Überblick darüber gibt jetzt das Monocle Magazine, das das Okura ein letztes Mal besucht hat.

Sayonara, Okura!

Ähnlich ikonisch wie das Hotel Okura ist auch das TWA Terminal des J.F.K. Flughafens in New York. 1962 vom finnischen Architekten und Designer Eero Saarinen gestaltet, ist das Terminal heute eine Art Zeitmaschine in eine bessere, schönere Designvergangenheit. Und weil auch hier die Moderne nicht mehr modern ist, wurde das Terminal bereits 2001 geschlossen und soll künftig ein Designhotel beherbergen. Ob und wie das Hotel an alte Zeiten anknüpfen will, ist auch heute noch ungewiss. Doch bevor es soweit ist und die Arbeiten für das Boutique Hotel beginnen, hat Curbed noch einen letzten Blick in die Flughafenikone riskiert.

Väter, Dutts und Zauberschlösser

Wer interessiert sich heute noch für Rapunzel und ihr langes Haar? Die Grimm’schen Schönheitsideale sind so staubig wie das Turmzimmer der jungen Gefangenen. Es ist 2015, Geschlechtervorurteile sind auf dem Rückzug, und der begehrteste Haarschopf im Märchenreich gehört heute längst den Männern. Dies belegt der Instagram-Account @manbunsofdisneyland, dessen Macher unter dem gleichnamigen Hashtag Fotos von Gästen des Vergnügungsparks Disneyland sammeln. Dabei interessieren sie sich jedoch nicht für irgendwelche Parkbesucher, sondern ausschließlich für Männer, die ihre langen Haare zu einem Dutt binden.

Die mit einem Knoten gebändigte Männermähne liegt im Trend, ein Symbol für selbstbewusste Männlichkeit jenseits von Stereotypen. Dieses neue Rollenbild feiert @manbunsofdisneyland in einem Reigen von Bildern. Männer mit Rucksack, Männer mit Essen, Männer mit Frauen. Aber vor allem tiefenentspannte Väter mit Haarknödel auf dem Kopf und Baby im Arm. Traumhafte Männer vor traumhafter Kulisse. Der Dilf, modernes Sexsymbol und Fetisch aus der schönen neuen Welt des Internets, der sexuell begehrenswerte Vater als männlicher Wiedergänger der Milf, der „Mom I’d Like to Fuck“. Die gütigen, langhaarigen Männer und die heile Welt des Kinderparadieses. Zwei Sehnsüchte finden hier zusammen. #manbunsofdisneyland ist eine Liebeserklärung an den Vater, an den Mann, der sich selbst nicht immer ganz so ernst nimmt. Kein besserer Ort für diese kleine romantische Schwärmerei als das Märchenreich von Disneyland.

This guy has been spotted once again! #manbun #mun #manbuns #dca #disneyland #manbunsofdisneyland

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@ma_olson's #manbun vs the Sword in the Stone 😝 #mun #manbuns #disneyland #dca #manbunsofdisneyland

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Krasse Typen, krosser Speck

Grill kann ja nun wirklich jeder. Gas, Holzkohle, Lavastein. Alles Kindergarten. Krasse Typen rösten ihren Frühstücksspeck auf dem Lauf eines Maschinengewehrs. So wie der republikanische Senator Ted Cruz aus Texas. In einem YouTube-Video wickelt Cruz Bacon und Alufolie um eine Waffe und ballert, bis das Fett spritzt. Noch erstaunlicher als seine Kochkünste sind Cruz‘ Ambitionen. 2016 möchte er US-Präsident werden. Im Weißen Haus müsste er sich dann wohl eine neue Zubereitungsmethode für sein Frühstück ausdenken.

https://www.youtube.com/watch?v=tU4yqTuVDwk

Die Vorlieben des republikanischen Politikers sind keine Ausnahme, Cruz ist nur einer von vielen (Hobby-)Köchen, die ihre Küchen in Abenteuerspielplätze verwandeln. In der US-amerikanischen TV-Kochshow „Extreme Chef“ kämpfen die Teilnehmer bei der Zubereitung ihrer Mahlzeiten nicht nur gegen Konkurrenten, sondern auch gegen Beinahe-Naturkatastrophen. In einer Web-Episode der Serie können die Extremköche vor den heimischen Bildschirmen lernen, wie man ein Steak zubereitet – auch wenn kein Gas für den Grill da ist. Zwar schmeckt das Motor-Steak am Ende nach Diesel, aber das ist ja auch Nebensache.

Ein ähnliches Experiment – aber mit mehr Stil – versuchte der Automobilhersteller Lexus beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring. Der Sternekoch Mario Kotaska bereitet ein Rinderfilet mit Rosmarin und Spargel zu. Auf dem Motor eines Lexus IS F CCS-R. Das „Filet Nordschleife“, stilecht serviert in der Boxengasse, gibt der staubigen Bezeichnung „heißer Ofen“ endlich einen Sinn.

#Mankind: Die Welt zu Gast bei Fremden

Ein Baby tapst einen Hausflur entlang. Die Kamera gleitet hinterher – hin zum Licht, hin zur Welt. Eine Stimme flüstert große Fragen. Nein, das ist nicht der Trailer zum neuen Film von Terrence Malick, Hollywoods großem Pseudophilosophen. Es ist der Spot zur neuen Kampagne von Unterkunftportal Airbnb. Für gewöhnlich lehrt das Unternehmen aus dem Silicon Valley mit seinem Angebot an privaten Übernachtungsmöglichkeiten auf der ganzen Welt die klassische Hotelbranche das Fürchten. Mit der neuen Twitter-Kampagne verhält es sich umgekehrt: Vor ihr gruseln sich die Nutzer.

Die Idee hinter „Is Mankind?“ ist so naiv wie wunderbar. Mit dem Spot wirbt Airbnb für Toleranz und Offenheit: Lasst uns die Welt erkunden, lasst uns die Komfortzonen verlassen, lasst uns das Fremde verstehen lernen, kurz: Lasst uns eins werden. Auf Twitter startete die Aktion durch – jedoch in die falsche Richtung. Losgelöst vom Video wirkten die Zitate, die Airbnb in den vergangenen Tagen ins Netz streute wie Szenen aus einem Horrorfilm. Schlaft in ihren Betten, sitzt an ihren Tischen, schaut durch ihre Fenster. „Now this is not creepy at all“, kommentierte ein Nutzer voller Ironie. Auf Twitter bekam die Kampagne mit Gruselpotenzial einen ganz neuen Dreh.

Das Onlineportal selbst nahm den Rückschlag locker und konzentrierte sich auf seine Botschaft. Einige Tage nach dem Twitter-Shitstorm postete Airbnb anlässlich einer Sportlergala, bei der auch Caitlyn Jenner auftrat, ein GIF, das dem englischen Begriff „Mankind“ seine Vielfalt zurückgibt. Wer auf der richtigen Seite der Geschichte steht, muss sich über ein bisschen Gegenwind nicht ärgern.

 

 

 

 

@pianoaround: In 88 Tasten um die Welt

Es ist eine dieser Geschichten, die uns für ein paar Minuten aus der Gleichförmigkeit unseres Großraumbüroalltags reißen. Eines dieser anti-kapitalistischen Märchen, eine Gegenerzählung zum großen Rennen um die nächste Beförderung, das nächste Statussymbol. Dotan Negrin, ein New Yorker mit griechisch-israelischen Vorfahren, kündigt eines Tages seinen Job und reist fortan mit einem Piano um die Welt. „I would wake up every day, working toward someone else’s dream, doing what people told me to do“, sagt Negrin. „I was very unhappy. I wasn’t challenged, and the work wasn’t gratifying.“ Also brach er einfach auf, durchquerte die USA, reiste bis nach Südamerika. Mehr als 300 Städte in 21 Ländern besuchte Dotan Negrin. Und überall spielte er sein Piano.

Piano on the Brooklyn Bridge! Video coming soon…😜

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Die Geschichte vom ungebundenen Pianisten, den Musik und Laune durch die Welt treiben, steckt voller Klischees. Und dennoch berührt sie uns. Internationale Medien berichteten über Negrins Reisen, der US-amerikanische Rolling Stone fotografierte ihn 2013 beim berühmten Wüsten-Festival Burning Man. Auf den Straßen von San Cristobal de Las Casas in Mexiko lauschten die Leute ebenso wie vor dem Eiffelturm in Paris. Dotan Negrin und sein Piano schafften es sogar bis in die menschenleeren Regenwälder von Guatemala. Der Kampf gegen die Einsamkeit war eine der größten Herausforderungen, denen sich Negrin stellen musste. Es gab Zeiten, da hätte er gerne alles hingeschmissen, wäre gerne zurückgekehrt in sein altes, geregeltes Leben. Zeiten, in denen er alleine in seinem Auto weinte – überwältigt und überfordert von seinen Gedanken.

Doch jeden Tag schob Dotan Negrin sein Piano aufs Neue durch die Straßen. Und jeden Tag lernte er neue Menschen kennen, wurde eingeladen, wurde bekocht. Begegnungen, die Negrin zeigten, dass ein anderes Leben möglich war. Und die ihn auf seinem Weg bestärkten.

Lake Tahoe, California. Have you been? 😎

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Mittlerweile hat der reisende Pianist wieder einen festen Job angenommen. Ein paar Tage die Woche. Doch das Musizieren, das Reisen und die Menschen, das bleibt. Die Geschichte von Dotan Negrin ist eine klassische Geschichte. Vom Ausstieg, den wir uns selbst nicht trauen, bei anderen aber bewundern. Ein letzter Blick auf die Grachten von Amsterdam oder die glühende Weite des Grand Canyon, ein Seufzer, ein Klick. Das Instagram-Fenster ist zu, zurück an die Arbeit.

Do the Amsterdam dance! I miss that city!

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